Praxis-Ratgeber

Unternehmensverkauf

Was ist der typische Ablauf eines Unternehmensverkaufes?

Ein typischer Unternehmensverkauf ist in verschiedene Phasen aufgeteilt. Der Prozess startet mit der Entscheidung für den Verkauf und der Ermittlung des Unternehmenswertes. Danach wird ein Käufer identifiziert, das passende Gebot ausgewählt und der Verkauf vollzogen. Ein Verkauf kann zwischen 6 und 9 Monate, gerne auch mal mehr als ein Jahr, in Anspruch nehmen.

Was ist ein Bieterverfahren?

Bei dem Bieterverfahren ist kein fester Kaufpreis vorgeschrieben. Hier werden je nach ausgewähltem Verfahren Gebote auf das zu verkaufende Objekt abgegeben, bis ein Bieter den finalen Zuschlag erhält. Dies bietet dem Verkäufer sowohl die Chance als auch das Risiko, höhere als auch niedrigere Kaufpreisspannen zu erzielen.

Wie funktioniert die Übergabe?

Zeitgleich zur Vertragsverhandlung einigen sich Verkäufer und Käufer auf einzelne Parameter der bevorstehenden Übergabe. Hierbei werden üblicherweise Faktoren wie die Dauer der Übergabe, der Arbeitsumfang und ähnliches festgelegt. Dies bietet beiden Parteien die Sicherheit einer strukturierten und professionellen Übergabe.

Worauf ist bei der Übergabe zu achten?

Wichtig für die Übergabe ist es, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer klar definierte Ziele festlegen. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Übergabe auch in der Praxis gemessen werden kann und der Verkäufer jederzeit klar seine Aufgaben erkennen kann.

Worauf ist vor den Preisverhandlungen zu achten?

Preisverhandlungen können hochkomplex sein und viel Zeit in Anspruch nehmen. Neben Verhandlungsgeschick ist eine gute Vorbereitung und eine klare Zielsetzung essenziell wichtig. Außerdem sollte mit realistischen Vorhaben in die Verhandlung gestartet werden und stets ein Gespräch auf Augenhöhe gesucht werden.

Was sind Verhandlungsstrategien aus Sicht des Käufers?

Die Durchsetzungsstrategie, die Kompromissstrategie, die Defensivstrategie, die Win-win-Strategie, die Wenn-dann-Strategie und die Buhmann-Strategie sind gängige Strategien aus Käufersicht. Die Strategie wird mit Bedacht gewählt, da Verhandlungsstrategien individuellen Einfluss auf den Transaktionsprozess nehmen können.

Was sind Verhandlungsstrategien aus Sicht des Verkäufers?

Als Verkaufsstrategien haben sich über die Jahre die Ausweich-Strategie, die Druck-Strategie, das Havard-Konzept, die Kompromissstrategie, die Kooperation und das Nachgeben als erfolgreiche Strategien herausgestellt. Diese Strategien sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Gesprächsdynamik zwischen Käufer und Verkäufer stets individuell ist.

Was ist eine Due Diligence?

Eine Due Diligence ist eine sorgfältige Überprüfung eines Unternehmens, um Mängel aufzudecken und Gewährleistungsansprüche vertraglich festzuhalten. Übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie “die erforderliche Sorgfalt”.

Unternehmensbewertung

Welche verschiedenen Verfahren für die Unternehmensbewertung gibt es?

Für die theoretische Ermittlung des Unternehmenswertes gibt es zahlreiche Verfahren, die in unterschiedlichen Situationen angewandt werden. Zu unterscheiden ist zwischen kapitalwertorientierten Ansätzen, marktwertorientierten Ansätzen und den substanzorientierten Ansätzen.

Wie funktioniert die Ertragswertmethode?

Hier handelt es sich um eine kapitalwertorientierte Methode. Mit der Ertragswertmethode werden alle zukünftigen Erträge mittels eines Kapitalisierungszinssatzes auf den Tag der Bewertung abgezinst und summiert. Die Summe ergibt den Barwert, welcher der Unternehmenswert ist.

Wie funktioniert das Multiplikatorverfahren?

Da es sich hier um einen marktwertorientierten Ansatz handelt, wird das zu bewertende Unternehmen mit gleichartigen Unternehmen derselben Branche verglichen. Hier kommen sogenannte Multiples zum Einsatz. Diese werden mit Kennzahlen wie dem Umsatz oder Gewinn multipliziert.

Wie funktioniert die Substanzwertmethode?

Mithilfe dieses Verfahrens wird der Substanzwert eines Unternehmens ermittelt. Das bedeutet, dass die Einzelwerte aller Vermögensgegenstände aufaddiert werden, um so zum Unternehmenswert zu gelangen. Vermögensgegenstände sind beispielsweise Grundstücke, Maschinen und der Fuhrpark.

Wie nimmt die Due Diligence Einfluss auf die Unternehmensbewertung?

Da das Unternehmen hier sorgfältig auf Mängel überprüft wird, können zahlreiche Mängel aufgedeckt werden, die den Wert des Unternehmens mindern können. Sollten keine Mängel gefunden werden, kann sich dies auch positiv auf die Unternehmensbewertung auswirken.

Welche Probleme kann es bei der Bewertung geben?

Neben dem Problem der Auswahl einer falschen Bewertungsmethode können auch falsche Kennzahlen, Multiples oder generell inkorrekte Informationen zu großen Abweichungen bei der Bewertung eines Unternehmens führen.

Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Preis?

Der Unternehmenswert ist die durch ein Bewertungsverfahren theoretisch ermittelte Summe. Der letztendlich bezahlte Preis beruht zwar auf dem Wert, kann sich dennoch von diesem unterscheiden. Ein Preis ist die Summe, die nach den Kaufpreisverhandlungen für die Übernahme gezahlt wird.

Rechtliche Fragen

Was ist ein Letter of Intent (LOI)?

Der LOI ist eine unverbindliche Absichtserklärung. Es besteht also keine rechtlich bindende Vereinbarung, dennoch wird ein Letter of Intent erst verfasst, wenn zwei Parteien in Verhandlungen über einen Vertragsabschluss stehen. Ein LOI soll die Ernsthaftigkeit der Verhandlungen darlegen und den folgenden Verhandlungen eine Grundstruktur bieten.

Wie ist ein Kaufvertrag aufgebaut?

Je nach Rechtsform und Branche unterscheidet sich der Inhalt eines Kaufvertrages, dennoch gibt es eine Grundstruktur, die befolgt werden kann. Der Vertrag beinhaltet die Vertragsparteien, den Kaufgegenstand sowie die Kaufpreiselemente, die Risikoverteilung und die technische Abwicklung des Unternehmenskaufs.

Was sind die rechtlichen Voraussetzungen eines Betriebsübergangs?

Eine rechtliche Voraussetzung bei der Übergabe von Anteilen einer GmbH oder eines Unternehmens mit Grundstück ist die Beglaubigung des Kaufvertrags durch einen Notar. Außerdem müssen sowohl der bisherige als auch der neue Inhaber die Mitarbeiter schriftlich über die Transaktion unterrichten.

Was sind die Rechtsfolgen eines Betriebsübergangs?

Mit dem Übergang eines Unternehmens gehen einige Rechtsfolgen einher. Einige dieser Rechtsfolgen des neuen Inhabers sind die Übernahme der in den Arbeitsverträgen festgelegten Rechte und Pflichten, die Fortgeltung bisher geltender Tarifverträge und die Fortgeltung von Betriebsvereinbarungen.

Was ist ein Share Deal?

Bei einem Share Deal verkaufen Gesellschafter ihre Anteile an einem Unternehmen. Hier handelt es sich also um einen klassischen Unternehmensverkauf. Somit erwirbt der Käufer die Gesellschaftsanteile als solche, aus welchen zukünftige Vertragsverhältnisse hervorgehen.

Was ist ein Asset Deal?

Bei einem Asset Deal verkauft nicht der Gesellschafter seine Anteile am Unternehmen, sondern das Unternehmen selbst veräußert Vermögensgegenstände. Hier werden lediglich einzelne Wirtschaftsgüter verkauft.

Steuerliche Aspekte

Was sind steuerliche Aspekte aus Sicht des Verkäufers?

Aus Sicht des Verkäufers ist es wichtig darauf zu achten, in welcher Höhe der Gewinn aus der Veräußerung der Einkommens- bzw. der Körperschaftsteuer unterliegt. Vergünstigungen durch Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen, die Gewährung von Freibeträgen bzw. eine begünstigte Besteuerung des Veräußerungsgewinns sollten ebenfalls geprüft werden.

Was sind steuerliche Aspekte aus Sicht des Käufers?

Aus Käufersicht kann die Verteilung des Kaufpreises auf abschreibungsfähige Wirtschaftsgüter möglichst kurzer Nutzungsdauer sinnvoll sein. Außerdem ist die steuerliche Abzugsfähigkeit von Finanzierungskosten und die steuerliche Nutzung bestehender Verlustvorträge interessant.

Warum benötigt man eine Steuerklausel im Kaufvertrag?

Steuerklauseln sind wichtig, da dort geregelt wird, wer die bis zum Übergangsstichtag verursachten Steuerbeträge trägt. Zudem kann dort festgehalten werden, wer nicht erwartete Steuernachforderungen trägt oder Steuererstattungen erhält.

Gibt es steuerliche Gestaltungsüberlegungen beim Unternehmenskauf?

Die Ausgliederung des Grundes und Boden sowie Gebäuden, die Teilbetriebsveräußerung und die §6b EStG Rücklage sind steuerliche Gestaltungsregelungen beim Unternehmenskauf. Diese Überlegungen können gegebenenfalls positive steuerliche Effekte nach sich ziehen.

Was ist die 55 Jahre Regelung?

Bei der 55 Jahre Regelung handelt es sich um einen Steuerfreibetrag, der einmal im Leben genutzt werden darf. Hat der Inhaber eines Unternehmens das 55. Lebensjahr vollendet und veräußert sein Unternehmen, kann er Gebrauch von einem Steuerfreibetrag auf die Veräußerungsgewinne machen.

Worauf ist bei Personengesellschaften zu achten?

Wird der gesamte Anteil eines Gesellschafters an einer Personengesellschaft veräußert, gehört der Gewinn aus der Veräußerung nicht zum Gewerbeertrag. Selbst wenn die Person die Beteiligung der Personengesellschaft im Betriebsvermögen gehalten hat, gehört der Veräußerungsgewinn nicht zum Gewerbeertrag.

Worauf ist bei Kapitalgesellschaften zu achten?

Besitzt eine Person weniger als 1 % der gesamten Anteile, so beträgt der Steuersatz pauschal 25 %. Besitzt die Person jedoch mehr als 1 %, so wird das sogenannte Teileinkünfteverfahren angewandt. 40 % des Gewinns sind steuerfrei, sodass die übrigen 60 % zu einer Steuerlast führen.

Käufer

Was sind die Motive eines Käufers?

Die Motive eines Käufers können vielfältig sein und unterscheiden sich je nach der Art des Käufers. Oftmals ist Wachstum durch Zukauf oder die Verbesserung der Wettbewerbsposition ein Grund für eine Übernahme. Ebenfalls sehr oft wird ein Unternehmen gekauft, damit der Käufer es als Geschäftsführer weiterführen kann.

Welche Arten von Käufern gibt es?

Insgesamt gibt es vier verschiedene Arten von Käufern, die allesamt sehr unterschiedliche Ziele mit einem Unternehmenskauf verfolgen können. Es wird zwischen Management-Buy-in Kandidaten (MBI), strategischen Investoren, Finanzinvestoren und Family-Offices unterschieden. 

Was ist ein Management-Buy-in Kandidat?

Ein MBI-Kandidat ist ein Käufer, der ein Unternehmen übernehmen möchte, um es unter eigener Führung zu leiten. Hier tritt der Käufer nach Übernahme in die Funktion des ehemaligen Geschäftsführers.

Was ist ein strategischer Investor?

Strategische Investoren besitzen meist schon ein Unternehmen oder ein Netzwerk aus verschiedenen Unternehmen. Hier besteht die Absicht in dem Kauf des Unternehmens darin, das zum Verkauf stehende Unternehmen, in das Netzwerk zu integrieren und so für Synergieeffekte zu sorgen.

Was ist ein Finanzinvestor?

Ein Finanzinvestor ist auf der Suche nach einer renditestarken Kapitalanlage in Form von Unternehmensanteilen. Hier werden Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial erworben, einige Jahre gehalten und mit der Absicht auf Gewinn wieder veräußert.

Was ist ein Family-Office?

Bei einem Family-Office handelt es sich um eine Vermögensverwaltung wohlhabender Unternehmerfamilien, die auf der Suche nach Anlageobjekten ist. Darüber hinaus führen Family-Offices weitere Tätigkeiten wie Mediation, Vermögensberatung oder Controlling aus.

Was ist die Käuferdatenbank?

Die Käuferdatenbank beinhaltet die Daten registrierter Käufer, die aktiv auf der Suche nach einem Unternehmenskauf sind. Hier handelt es sich um eine vertrauensvolle Quelle an Kaufinteressenten. Außerdem wird die Bonität aller Interessenten in der Datenbank geprüft, sodass die Zahlung des Kaufpreises abgesichert ist.

Was muss ein Käufer mitbringen?

Essenziell wichtig ist die Bonität des Käufers, damit im Falle eines zustande kommenden Kaufvertrages die Zahlung des Kaufpreises abgesichert ist. Darüber hinaus sollten je nach Käuferart bestimmte Führungsqualitäten, Branchenwissen und betriebswirtschaftliches Wissen vorhanden sein.